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Torwart-Seminar Bregenz: Eine lohnende Reise

Der Termin war dieses Mal ein anderer als gewohnt, die Qualität des Seminars aber hoch wie immer. Selbst das Wetter hatte sich der Veranstaltung angepasst. Bei strahlendem Sonnenschein führte „Safehands-the art of goalkeeping“ bereits zum elften Mal ein Torwart-Seminar in den Räumen der Fußballakademie Vorarlberg-Mehrerau in Bregenz durch. Wie schon in den Jahren zuvor konnte sich die Auswahl der Referenten wieder sehen lassen. Neben Andrew Quy vom englischen Erstligisten Stoke City trugen dieses Mal Brian Sörensen vom dänischen Top-Frauenteam Fortuna Hjorring, Simon Panter vom Frauen-Bundesligisten SC Sand sowie der Augenoptiker Sven Empen zum Gelingen der Veranstaltung bei. Wer die Anreise auf sich genommen hatte, brauchte sein Kommen nicht zu bereuen. Er wurde mit einer Fülle an Informationen und praktischen Tipps zum Torwarttraining belohnt.

Andrew Quy (Stoke City): So arbeite ich!

Die Vortragsreihe eröffnete Andrew Quy, Torwarttrainer beim aktuellen Tabellensiebten der englischen Premier League. Bereits im zehnten Jahr ist er für den englischen Erstligisten tätig und hatte schon mehrere international bekannte Torhüter, wie z.B. mit dem bosnischen Nationaltorhüter Asmir Begovic oder dem früheren dänischen Nationaltorhüter Thomas Sörensen, unter seinen Fittichen. Aktuell betreut er Englands Nationaltorhüter und Torhüterhoffnung Jack Butland.

Guys Grundsätze

Nach einem kurzen Rückblick auf seine sportliche Karriere sowie seinen Werdegang als Torwarttrainer zeigte er auf, welche Schwerpunkte ihm in seiner täglichen Arbeit wichtig sind. Er unterteilt das Torwartspiel in die Bereiche „shots“ (Schüsse), „crosses“ (Flanken), „open play“ (Spieleröffnung) sowie den Bereich „recieving to play“, den man mit den Begriff Mitspielaktionen umschreiben könnte. Besonderen Wert legt er beim Training dieser Schwerpunkte darauf, dass der Torhüter die richtige Position zum Ball einnimmt. Diese richtet sich immer nach der Position des Angreifers, sie muss also ständig neu angepasst werden. Dass sich bisher gewohnte Bwegungsabläufe verändern können, zeigte er am Beispiel von Stoke City auf, seit Mark Hughes das Amt des Cheftrainers übernommen hat. Statt dem früheren „kick and rush“ mussten sich die Torhüter auf ein kultiviertes Kurzpassspiel umstellen, was eine Anpassung der Übungsformen des Torwart-Trainings an das neue Spielsystem verlangt.
Wichtig ist ihm außerdem die Balance beim Torhüter. Nach kleinen Bewegungen sollen sie so stabil als möglich im Gleichgewicht stehen.
Ebenso wichtig ist ihm die Körpersprache des Torhüters. „Be big“, lautet Quys Devise. Durch eine aufrechte Körperhaltung soll der Torhüter Selbstsicherheit ausstrahlen und so dem Gegner Respekt einflößen. Bei seinen Entscheidungen muss der Torhüter den Fokus auf den Ball und die Umgebung richten und sich nicht fragen „Wo bin ich?“, sondern instinktiv das Gefühl dafür entwickeln und die richtige Position einnehmen.
Weiterhin soll der Torhüter mit einem entspannten Auftreten Ruhe ausstrahlen und damit seinen Mitspielern Sicherheit vermitteln.

Quys Trainings-Philosophie

1. Da nach seinen Erkenntnissen ein Torhüter in einem Spiel 40 % mit der Hand und 60 % Kontakte mit dem Fuß hat, ist die Entwicklung der fußballerischen Fähigkeiten ein Übungsschwerpunkt in seinem Training.
2. Quy baut möglichst viele Elemente des Torwartspiels in einer Trainingswoche ein. Bereits das Warm up benützt er zum Training technischer und taktischer Elemente. Dabei sollen die Übungen möglichst nahe an die Abläufe im Spiel angelehnt sein.
3. Wichtig ist für ihn auch, mentalen Druck zu erzeugen. Dieser entsteht zum einen aus dem Konkurrenzkampf der Torhüter, die Nummer ein zu sein, aber auch aus den Vorgaben des Cheftrainers, wie die Torhüter im Spielsystem agieren müssen. Diese Vorgaben müssen von den Torhütern im Training möglichst gut umgesetzt werden.
4. Häufig arbeitet Quy mit Statistiken. Aus diesen Werten erfährt er z.B., aus welchen Zonen des Spielfeldes besonders oft Tore erzielt werden und welche Art von Flanken am häufigsten zum einem Torerfolg führen. Im täglichen Trainingsbetrieb versucht er, seine Torhüter auf diese Situationen einzustellen.
5. Einen besonderen Stellenwert hat auch das Training der spezifischen Abläufe, die durch das Stoke-eigene Spielsystem und die Spielvorstellung von Cheftrainer Mark Hughes gefordert werden.
6. Wichtig ist in Quys Torhüter-Philosophie die individuelle Arbeit mit den einzelnen Torhütern. Für ihn ist es wichtig, die Psyche seiner Schützlinge zu ergründen. In regelmäßigen Gesprächen mit seinen Torhütern sollen diese selbst erkennen, auf welchem Level auf einer Skala von 0-10 sie sich selbst in den verschiedenen Torwartbereichen einordnen, um eigene Stärken und Schwächen zu erkennen und daraus Ziele für die weitere Trainingsarbeit ableiten. Diese Gespräche finden am Saisonbeginn, am Ende der Hinrunde sowie am Ende der Saison statt. Bis besonders wichtig hält er diese Gespräche mit Torhütern, die auf der Bank sitzen.

Ablauf einer Trainingswoche

Anhand einer tabellarischen Übersicht stellte Quy eine typische Trainingswoche von Stoke City dar. Meist beginnt das Mannschaftstraining um 11 Uhr, die Torhüter hingegen starten bereits um 10.30 Uhr. Bevor die Trainingsarbeit auf dem Platz beginnt, hat jeder Spieler schon zuvor im Fitnessbereich an seinen muskulären Schwächen gearbeitet. Die Abläufe und Trainingsschwerpunkte während der Trainingswoche sind meist gleich. So stehen z.B. montags immer Fußarbeit sowie die Nachbesprechung des Spiels nach dem Training auf dem Programm.

Körperliche Vorbereitung

Anhand von Videos gab Andrew Quy Einblicke in die körperliche Ausbildung der Torhüter. Er zeigte auf, dass der überwiegende Teil der physischen Ausbildung der Torhüter vor allem in den Fitnessräumen stattfindet, kaum hingegen auf dem Trainingsplatz. Jeden Tag arbeiten die Spieler an unterschiedlichen Muskeln. Bevorzugt werden beim Muskeltraining Übungen gewählt, die die typischen Bewegungen von Torhütern nachahmen und damit alle Muskelgruppen, die bei einer bestimmten Torhüteraktion beteiligt sind, zu gleichen Teilen trainieren. Das Ziel ist dabei nicht, mit möglichst hohen Gewichten zu arbeiten, sondern die Gewichte schnellstmöglich zu bewegen. Mit Hilfe verschiedener Videos demonstrierte Quy, mit welchen Übungen die Torhüter von Stoke City athletisch ausgebildet werden.

Vorbereitung auf den kommenden Gegner

Zum Abschluss seiner Präsentation gab Quy anhand von Videoszenen Einblicke, wie er seine Torhüter auf den kommenden Gegner vorbereitet. Ausgesucht hatte er dafür die Vorbereitung auf das Spiel gegen Tabellenführer Chelsea London. Zunächst ging er auf das Spielsystem von Chelsea ein (3-4-2-1), aus dem sich bestimmte Varianten ergeben, die er Torhüter kennen muss. So wies er speziell auf die beiden Außenspieler hin, die sehr schnell sind und die Stürmer mit Flanken füttern. Mit Hilfe von typischen Spielszenen zeigte er seinen Torhütern, wie diese Spieler die Flanken nach innen schlagen und welche Zielzonen sie meist anvisieren, um zum Torerfolg zu kommen. Ein nächster Aspekt war das Verhalten der gegnerischen Stürmer bei diesen Flanken, aber auch beim Pressing auf den Torhüter nach Rückpässen. Die Frage, welches Schussbein die gegnerischen Stürmer zumeist wählen, war ein weiterer Gesichtspunkt. In der Trainingswoche vor dem Spiel bespricht er mit seinen Torhütern, wie man diese Spielsituationen am besten verteidigen kann.

Im anschließenden Praxisteil zeigte Quy, wie er in der Aufwärmung bereits Torwart-Techniken einbaut. Abschließend machte er an Eckballsituationen deutlich, wie der Torhüter je nach Spielsituation seine Position anpasst, um seine Chance zu verbessern, sein Tor sauber zu halten.

Berichte weiterer Referenten

TV Bericht vom Event

Die Referenten